Deportation Class

Bedrückendes Schweigen, Betroffenheit und Schüler, die mit den Tränen kämpfen – so endet im Schulzentrum am Sund die Vorführung des Dokumentarfilmes „Deportation Class“, der die Abschiebung albanischer Asylbewerber aus Mecklenburg-Vorpommern zeigt.
Seit fünf Jahren vermittelt das Schulzentrum am Sund Kindern und Jugendlichen ausländischer Herkunft im DAZ-Kurs die deutsche Sprache. Es sind oft traumatisierte junge Menschen, die hier Zuwendung und Hilfe erfahren. Lehrerin Elke Zöger versucht, mit ihnen über ihre Ängste und Sorgen zu sprechen, einige sind verschlossen, andere reden offener über ihre Gefühle, aber jedes Einzelschicksal berührt. Vor einigen Monaten gehörten auch Angjela und Elidor, deren Familie das Hamburger Filmteam begleitete, zu ihren Schülern. Da ihr Asylantrag abgelehnt wurde und sie aufgrund einer angedrohten Blutrache nicht freiwillig ausreisen wollten, wurde die Familie in den Morgenstunden von Polizeibeamten abgeholt und zum Flugzeug nach Rostock-Laage gebracht. Die Planung dieser Zwangsabschiebung, den nächtlichen Großeinsatz in den Unterkünften der Asylbewerber und ihre Ankunft im Heimatland filmte das Team um Regisseur Hauke Wendler.
Im Anschluss an die Filmvorführung beantwortete der Filmemacher noch ausführlich die Fragen der Schüler, die sich nach dem weiteren Schicksal ihrer Mitschüler, seiner Person und nach seiner Meinung zur Abschiebepraxis in Deutschland erkundigten. Der Journalist und Dokumentarfilmer, der seit 12 Jahren zum Thema Migration, Flucht und Abschiebung recherchiert, fordert ein kritisches Überdenken der Abschiebepraxis in MV - laut Aussage Wendlers werden 70% der Abgelehnten zwangsweise abgeschoben. Zugleich verweist er auf eine vernünftigere und finanziell letztlich bessere Vorgehensweise in Rheinland-Pfalz, wo seit ca. zehn Jahren abgelehnten Asylbewerbern für einen Neuanfang in ihrem Heimatland eine Unterstützung angeboten wird, was dazu führt, dass neun von zehn Flüchtlingen freiwillig zurückgehen. „Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz, um solchen Menschen wie Gezim (Anmerkg: Vater einer albanischen Familie) zu helfen, legal nach Deutschland einwandern zu können“, so Hauke Wendler „Ich habe selbst zwei Kinder – meine Tochter ist 4 Jahre alt, mein Sohn 9. Was diese Familien erleben, das möchte ich niemals erleben, dann fahre ich mit meiner Familie lieber gegen einen Baum.“

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